Leichte Beute


Da mir folgendes Ereignis in letzter Zeit immer wieder im Traum begegnet, habe ich mich dazu entschlossen, es in diesem Blogeintrag niederzuschreiben um meinem Unterbewusstsein hoffentlich ein wenig auf die Sprünge
und mir zu schöneren Träumen zu verhelfen.
Mal sehen, ob mir das gelingt.


Zwei Tage bevor ich mit meinen Eltern wieder einmal nach Kroatien in Urlaub gefahren bin, habe ich am späteren Nachmittag noch meinen Freund besucht. Ich war alleine unterwegs – was an sich nichts Ungewöhnliches ist – und fuhr mit demselben O-Wagen, wo sie meinen Freund ein paar Monate danach hinausgeschmissen haben. Kaum eingestiegen, schrieb ich eine SMS, dass ich eben gleich da wäre. Da ich mein Handy, während ich es bediene, nicht in der Hand halten kann, liegt es zumeist auf meinem Schoß. Ich hatte noch drei Stationen zu fahren als plötzlich ein Pärchen dazu gestiegen ist und sich ganz nah zu mir stellte. Nach und nach spürte ich die interessierten Blicke der beiden, dachte mir aber nichts dabei und widmete mich weiter meiner Nachricht. Schließlich machte ich mich beim Fahrer bemerkbar, dass er die Rampe ausklappen möge, damit ich aussteigen kann – und verabsäumte es irgendwie, mein Smartphone zwischen meinem Sitz und mir einzuklemmen, also lag es weiterhin auf meinem Oberschenkel.

Auf dem Weg zum Aufzug sah ich aus dem Augenwinkel, wie das Pärchen im letzten Moment dann auch noch ausgestiegen ist, kurz bevor die Tür des O-Wagens zuging. Das kam mir bereits sehr suspekt vor. In der Spiegelung des Aufzuges habe ich dann gesehen, wie die beiden hinter mir her marschierten. Mein Gefühl wurde immer unguter, ich bin zwar schneller geworden, musste aber letztlich stehen bleiben und auf den Fahrstuhl warten. Für die zwei war es ein leichtes mich einzuholen und so stand uns eine weitere gemeinsame Fahrt, diesmal mit dem Lift, bevor. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, konnte mir aber einreden, dass sich unsere Wege in wenigen Sekunden trennen würden und die ganze Anspannung umsonst gewesen sein wird.

Die Lift-Tür ging auf, er wollte mir noch beim hineinfahren behilflich sein und schob von hinten meinen Rollstuhl regelrecht an. Da der Aufzug sehr klein ist, standen wir auch da wieder sehr beengt beisammen. Oben angekommen, ging die Tür auf – er schob wieder an, und fragte mich über meine rechte Schulter noch, ob ich irgendwie Hilfe bräuchte. In der Zwischenzeit schnappte sie sich von der anderen Seite mein Handy und schon rannten sie auch schon weg bzw. überquerten sie im schnelleren Schritt die viel befahrene Straße – sind durch sämtliche Gebüsche und Co. geflüchtet. Der vage Versuch auf mich aufmerksam zu machen, blieb ebenso erfolglos wie die Hoffnung das dreiste Pärchen über die Videokamera des Fahrstuhls ausfindig machen zu können. Ich bin dann erstmal wie geplant zu meinem Freund gefahren und habe mich abreagiert. Abgesehen davon, dass das ganze sehr an meinem Ego gezerrt hat, da sie nicht einmal den Anstand besaßen und sich bei der Flucht etwas mehr Mühe gegeben haben, habe ich mich außerdem ziemlich über mich selbst geärgert: ich habe einfach nicht auf mein Gefühl gehört und bin stattdessen mit ihnen in den Aufzug gestiegen, hatte mein Smartphone auf dem Schoß liegen, etc.
Zu allem Übel ist mein Handy ein wichtiges Kommunikationsgerät für mich, auf das ich zurückgreife, wenn mein Sprachcomputer wieder einmal nicht funktioniert – was recht häufig vorkommt. Und ohne dem ich nicht mal nachhause fahren kann. Da ich leider nicht mit allen Smartphones umgehen kann, war/bin ich also auf meines besonders angewiesen…

Danach haben wir zunächst einmal die SIM-Karte sperren lassen und sind zum nächsten Polizeirevier gefahren um dort eine Diebstahlsanzeige und eine Personenbeschreibung anfertigen zu lassen. Das war auch wieder ein recht einprägsames Erlebnis – sowohl für den jungen Polizisten als auch für uns. Ich musste geschlagene 8 Seiten ausfüllen (lassen) und eben eine genaue Schilderung zum Tatvorgang abgeben. Da ich bekanntlich nicht gerade die Schnellste bin – zumal ich meine Aussagen erst in meinen Sprachcomputer tippen muss und obwohl wir vorab schon eine grobe Zusammenfassung vorgeschrieben und ausgedruckt mitgenommen haben – hat das ganze Prozedere trotzdem über eineinhalb Stunden gedauert. Nachdem wir dann endlich fast fertig waren, hätte ich diesen ganzen Bürokratiekram der Vollständigkeit halber natürlich noch unterschreiben müssen. Jede Seite einzeln versteht sich. Als ich, bereits mit dem Stift in der Hand, zur ersten Unterschrift angesetzt habe – wurde dem Polizisten bewusst, dass eine Signatur in meinem Fall eher die Gültigkeit des Dokuments in Frage stellen als es zur Absegnung dienen würde – und so hat er kurzerhand beschlossen, sich dem Gesetz zu widersetzen und auf meine Unterschrift zu verzichten.


Auch hierzu gibt es wieder einen kleinen Fun fact:
Durch eine Verkettung mehrerer Umstände ist mir ein paar Wochen später das zweite Mal mein Handy gestohlen worden, diesmal in Kapstadt.
Es wurde aus der Tasche „herausgefischt“, was dort einfach gang und gäbe zu sein scheint – vor allem wenn man am Abend in der Stadt unterwegs ist. Da ich aber glücklicherweise etwas aus dem ersten Mal gelernt habe, war ich gegen diesen Diebstahl dann zumindest versichert. Also musste ich erneut auf eine Polizeistation und basierend auf meine letzten Erfahrungen, malte ich mir hierfür schon gewisse Szenarien aus, wie es in Südafrika wohl ablaufen würde.
Doch es kam ganz anders als gedacht. Nach zwei, drei Fragen wo und wann mir das Handy entwendet worden ist, bekam ich folgende Bestätigung (!) und war innerhalb von zehn Minuten fertig.

Foto: Polizei Diebstahlbestätigung von Kapstadt
Die Rückseite war lediglich mit einem Stempel versehen.

Dieses kleine, bescheidene Kärtchen wurde tatsächlich anstandslos von meiner Versicherung anerkannt. Also Bürokratie kann auch einfach sein.

6 Kommentare zu „Leichte Beute

Gib deinen ab

  1. Ich bin so empört und so traurig, dass Du so etwas erleben musstest, liebe Kopfstimme. Was sind das für „Menschen“, die so etwas tun? Das ist an Gemeinheit nicht zu überbieten, und ich kann Dir nachfühlen, dass Dich dieses böse Erleben bis in Deine Träume hinein verfolgt. – Und, was bitte ist das für ein Polizist, der Dich einfach so „von Amts wegen“ entmündigt, im Rahmen Deiner Möglichkeiten eine Unterschrift zu leisten? – Das macht mich fassungslos.

    Viele, ganz viele (!) ganz liebe Grüße an Dich! 💚🌹🤗

    (P.S.: Du hast Post … 😉)

    Gefällt 3 Personen

    1. Gute Frage, andererseits stellt sich hier wiederum die Frage, in welcher Notlage sie stecken mussten (oder müssen) um so weit zu gehen… Und dass das keine einmalige Sache war und sie so etwas wohl öfters machen „müssen“ – hat man ihnen einfach angesehen.
      Ich bin dabei glücklicherweise verschont geblieben und selbst wenn mich mein Unterbewusstsein daran gelegentlich erinnert, so lindert es die Tat dennoch enorm…

      Den Polizisten habe ich ehrlich gesagt gar nicht als entmündigend wahrgenommen. Im Gegenteil. Ich war positiv überrascht, dass er so viel Geduld und Flexibilität der ganzen Situation entgegen gebracht hat, was auf mich sehr entstressend (gibt’s das Wort?) wirkte. Dass das nicht unbedingt „vorausschauend“ ist, ist klar, aber nachdem er meinen Vorschlag – die Unterschrift digital nachzureichen – ablehnte, war ich einfach froh, endlich fertig zu sein…

      Liebe Grüße zurück und bis bald! 😊

      Gefällt 1 Person

      1. Heyhey! 😊

        Es ist sehr umsichtig von dir, dass du an die eventuelle Notlage der Täter denkst- Ich selbst bin bei sowas jedoch nicht sehr verständnisvoll: mir wurde beim Lesen nämlich auch stark übel (vor Wut über diese Tat), und mein Gerechtigkeitssinn HASST Menschen, die sich – zudem in der Überzahl – an Anderen vergreifen! Boah! 😡

        Gut ist aber wirklich, dass sie dich nicht auch noch körperlich verletzt haben. Das hätte echt anders ausgehen können-

        Ganz liebe Grüße! VVN

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      2. Du bist lieb 🙂 aber ich habe ja auch schon „ein paar“ Nächte drüber schlafen und etwas Gras über die ganze Sache wachsen lassen können. 😉

        Und dass sie in der Überzahl waren, war wirklich unfair – stimmt. Ich habe absolut keine Ahnung warum, aber ich habe gerade das Bild vor Augen, dass ich es extrem umsichtig gefunden hätte, wenn sie mich auch auf Rollen (oder bestenfalls selbst im Rollstuhl) bestohlen hätten. 😂 Mein Humor ist manchmal unergründlich… 🤷‍♀️

        Hab eine gute Nacht und liebe Grüße 💐

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  2. Gemein bleibt eben gemein, ob zu Behinderten oder nicht, solche Menschen gibt es nun mal, die sind auf dem Stand von kleinen egoistischen Kindern stehengeblieben. Du hättest Dich auf Deine Intuition verlassen sollen, aber hinterher ist man ja immer schlauer.

    Liken

    1. Kinder scheinen mir definitiv die klügeren Köpfe zu sein… 😉
      Ja, nur im Nachhinein gesehen, hätte meine Intuition vermutlich eh auch nichts gebracht – dann hätten sie mir wahrscheinlich das Handy bereits vor der Liftfahrt abgenommen und wären halt über die Treppen geflüchtet.

      Gefällt 1 Person

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