Ad nauseam

Ich widme mich momentan verschiedenen Streaming-Diensten, spiele eine Online-Schachpartie nach der anderen, schreibe an mehreren Blogbeiträgen gleichzeitig und vertreibe mir so die Zeit. Außerdem entwickle ich gerade eine Faszination für Fremdwörter. Wörter, die in der deutschen Sprache oftmals nicht vertreten sind und für die es einfach noch keinen Ausdruck gibt. Wie es der Titel bereits vermuten lässt, hat der Begriff »Ad nauseam« mir es dabei besonders angetan. Bevor ich auf die Bedeutung des Wortes zu sprechen komme, möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass dieser Ausdruck einige Charakterzüge von mir zum Besten gibt. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Formulierung »etwas zum Besten geben« in dem Fall nicht eher ironisch zu verstehen ist…

Ad nauseam stammt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich übersetzt »bis zur Seekrankheit«. Man verwendet diesen Ausdruck für Diskussionen, die (salopp formuliert) bis zum Erbrechen geführt worden sind –  also bis zu einem Punkt, in dem die Diskussion so weitreichend war, dass jeder Beteiligte davon genug hatte. Und schon wären wir wieder bei mir angelangt. Mit dem winzigen Unterschied, dass ich meistens diejenige bin, die sich aus Diskussionen entzieht, auch wenn mein Gesprächspartner diesen „Endpunkt“ noch nicht erreicht hat.

Gerade das derzeitige Coronavirus stellt mich hierbei vor eine riesen Herausforderung. Mir fällt es sehr schwer sämtlichen Nachrichten und Berichten zu folgen, ohne mich davon komplett erschlagen zu fühlen.
Es ganz auszublenden ist aber definitiv auch keine Lösung für mich – nicht zuletzt weil dies nahezu unmöglich ist, sondern auch da es eine gewisse Verantwortungslosigkeit mit sich tragen würde, die ich nicht mit mir vereinbaren könnte. Darüber zu diskutieren, führt bei mir zu einem augenblicklichen „ad nauseam Zustand“, sofern man dabei von einem Zustand ausgehen kann. Also bleibt mir nicht wirklich viel Handlungsspielraum mehr übrig, außer diesen etwas chaotischen Beitrag zu verfassen und versuchen meine Gedanken zu sortieren.

Ich habe mich bereits in vergangenen Beiträgen als Befürworterin, Dinge mit Humor zu nehmen, geoutet. Allerdings stellt sich mir in letzter Zeit die Frage, wie weit man seinem Humor/Optimismus nachgehen kann um noch realitätsnah agieren und bewusst leben zu können. Ein Bewusstsein dafür zu haben, was in der Welt passiert und trotzdem noch die nötige Contenance zu wahren – ist das möglich? Was bedeutet »nötige Contenance zu wahren« in diesem Fall überhaupt? Ist diese Redensart, wenn man sich an den derzeitigen Krise(n) orientiert, nicht ein Widerspruch in sich? Oder ist »Contenance« hier mit »ad nauseam« gleichzusetzen und ein Zeichen dafür, dass in den letzten Wochen genug Panik verbreitet wurde und nun der Punkt des Überdrusses zum Ausdruck kommt?

Fragen über Fragen, die mich momentan mehr beschäftigen als ich vielleicht zugeben möchte.


Kleiner Fun fact am Rande:
Wenn man auf seinem Smartphone bei seiner Emoji-Suchfunktion „nauseam“ eingibt, erscheint folgendes Icon: 🤮
Da soll nochmal jemand sagen, Emojis schaden dem Sprachgebrauch.

11 Kommentare zu „Ad nauseam

Gib deinen ab

    1. Stimmt, an das englische Vokabel habe ich gar nicht gedacht. Nur normalerweise schreit mein Handy sofort, wenn ich einen Suchbegriff falsch eingegebe, in dem Fall hat es sich aber über den extra Konsonanten nicht beschwert. Sehr internationales Teil. 😉

      Lieben Gruß und eine gute Nacht zurück!

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  1. Ein Bewusstsein dafür zu haben, was in der Welt passiert und trotzdem noch die nötige Contenance zu wahren – ist das möglich? Ich glaube ja, wobei „Contenance“ ja verschiedene Bedeutungen hat:

    „Das Wort Contenance (gesprochen [kõtəˈnɑ̃ːs] – daher auch Kontenance geschrieben; über das altfranzösische contenance aus dem lateinischen continentia, für „Bescheidenheit, Zurückhaltung, Enthaltsamkeit, Selbstdisziplin, Selbstbeherrschung“, entlehnt;[1][2] Nebenform: Kontinenz[3][4]) bedeutet „Haltung“, „Fassung“ oder „Gemütsruhe“[5][6] sowie die Gelassenheit und Besonnenheit in schwierigen Situationen der Interaktion und Kommunikation.
    Die Wahrung von Contenance kann in manchen Situationen taktische Überlegenheit schaffen und eine Eskalation verhindern. Besonders in gehobenen Gesellschaftsschichten dient die Wahrung der Contenance der Distinktion. (Wikipedia)“

    Im Sinne von Selbstbeherrschung gefällt mir die Contenance nicht, aber im Sinne von Gelassenheit schon, denn es gilt in allen Ausnahmesituationen die Nerven zu behalten und keine Energie in Panik zu verschwenden. Dazu gehört auch, die Nachrichten über Corona wohl zu dosieren und sie sich nicht „ad nauseam“ aufzunehmen, gerade soviel, dass man gut informiert über die neuesten Regelungen ist. Das regelt mein Selbstschutz ganz von allein.

    Gefällt 1 Person

    1. Interessanter Ansatz, den ich nur teilweise verstehe. Denn „keine Energie in Panik zu verschwenden“ klingt in der Theorie zwar logisch, allerdings ist dies in der Praxis dann oftmals doch nicht ganz so einfach… Und muss man nicht eine gewisse Selbstbeherrschung an den Tag legen um gelassen und „besinnt“ agieren zu können?

      Ich hoffe ich habe jetzt keine ad nauseam Diskussion ausglöst. 😉

      Gefällt 1 Person

  2. Selbstbeherrschung klingt mir zu sehr nach Zwang, da muss man dann eine Emotion unterdrücken, die sich dann doch irgendwie Bahn bricht. Panik ist eine Emotion, die sehr viel Kraft raubt und schadet. Ich persönlich rede mir selbst bei aufkommender Panik gut zu (innerlich, nur manchmal laut) und da ich auf mich höre, löst sich die Panik dann auf und macht der Gelassenheit Platz

    Gefällt 2 Personen

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